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KLANGOPTIMIERUNG

Einen großen Teil meiner Arbeitszeit an einem Instrument - egal ob es sich um ein neu gebautes oder ein zu reparierendes Instrument handelt - verwende ich für die klangliche Optimierung. Ohne diesen Optimierungsprozess kann auch das beste Instrument nur einen Teil seines Potentials entfalten.

Unter Klangoptimierung versteht man das Abstimmen von Saiten, Steg und Stimmstock auf das Instrument und auch auf die Bedürfnisse des Spielers.
Um die Bedeutung dieses Prozesses zu verstehen, möchte ich versuchen, die Funktion eines Streichinstruments in einem vereinfachten Modell - die tatsächlichen Vorgänge sind weitaus komplizierter - zu veranschaulichen.

Der Klang geht folgenden Weg:

  1. Der Bogen bringt die Saite zum Schwingen.
  2. Steg und Stimmstock als die "Schaltstellen" zwischen Saiten und Decke bzw. Decke und Boden leiten die Ausgangsschwingungen weiter auf den Instrumentenkorpus.

Daraus folgt:

  • Schlechte oder nicht zum Instrument passende Saiten lassen dieses gar nicht erst richtig "in Schwung" kommen.
  • Sind die "Schaltstellen" Steg und Stimmstock nicht gut eingestellt, gehen die Ausgangsschwingungen zum Teil unterwegs verloren, anstatt sich auf den Instrumentenkorpus zu übertragen.
  • Eine große und meist unterschätzte Rolle spielen hier auch der Saitenhalter und Endknopf  bei Violine und Bratsche bzw. die Stachelbirne bei Cello und Kontrabass sowie das Material der Anhängsaite des Saitenhalters. Sitzt der Konus von Endknopf bzw. Stachelbirne nicht hundertprozentig, geht auch hier ein Großteil der so wichtigen Longitudinalschwingung (Längsschwingung) der Saiten verloren.

 Der Steg:

Steg Mit einem guten Steg habe ich große Möglichkeiten, den Klang eines Instrumentes zu beeinflussen. Ein guter Steg muss zum Instrument und auch zum Spieler passen, da er nicht nur die Klangfarbe sondern auch die Spieleigenschaften wie z.B. die Ansprache beeinflusst.

Stege werden aus Ahornholz gefertigt. Hochwertige Stege aus möglichst langsam gewachsenem bosnischen Ahorn mit feinen und engen Jahresringen, das 10 -15 Jahre natürlich getrocknet wurde.

Das Holz wird - wie kleine Tortenstückchen - nach dem Spiegel gepalten, sodass die Jahresringe stehen und die Markstrahlen - der Spiegel - möglichst auf beiden Seiten des Steges gut erkennbar sind. So hat das Holz die höchste "Steifigkeit". Ein "steifer" Steg, der auch im richtigen Winkel zur Decke steht, überträgt die Saitenschwingungen besonders direkt. Feinste Bogenimpulse werden unmittelbar auf das Instrument übertragen und ermöglichen ein besonders facettenreiches Spiel.

Spiegelholz

Stegwinkel

Der Steg steht dann korrekt, wenn die Rückseite des Stegs einen rechten Winkel zur Decke bildet und die Saitenwinkel vor und hinter dem Steg in etwa gleich sind. Der Steg steht also etwas gegen den Saitenhalter geneigt. Keinesfalls in Richtung Griffbrett!

Cellosteg belgisches Modell

Beim Cello hat man die Wahl zwischen zwei Modellen:
dem belgischen (im Bild) und dem französischen.
Meist wird das belgische Modell bevorzugt, da es durch sein niedrigeres Oberteil einen helleren - brillianteren - und offeneren Klang gibt.

Der Stimmstock:

Der Stimmstock ist die "Schaltstelle" zwischen Decke und Boden. Er koppelt Decke und Boden und formt den Klang ganz entscheidend mit. Italienisch "anima" - Seele - genannt, ist er tatsächlich so etwas wie die Seele des Instruments. Er wird an Decke und Boden ganz genau angepasst und mit einer gewissen Spannung in das Instrument eingesetzt. Diese Spannung beeinflusst den Klang mindestens ebenso wie die Position des Stimmstocks. Mit wie viel Spannung er ins Instrument eingesetzt wird, hängt ab von:

  • der Bauweise des Instruments
  • der Klangvorstellung des Spielers bzw. des Geigenbauers

Jedes Instrument reagiert anders auf die Spannung des Stimmstocks, meist ist jedoch folgendes zu beobachten:
Ein fest sitzender Stimmstock trägt zu einem kräftigen Klang bei, ein zu fest sitzender führt zu schlechter Ansprache - kratzigem Klang - besonders in der Höhe. Sitzt der Stimmstock etwas lockerer, wird der Klang weicher. Bei zu lockerem Stimmstock fehlt es dem Instrument an Kraft, der Klang wird "verwaschen" und oft ist es nicht mehr möglich, Dynamiken zu erarbeiten.

Der Einfluss der Position des Stimmstocks ist den meisten Spielern meist mehr bewusst als die Spannung:
Steht der Stimmstock zu nah am Steg, verschlechtert sich die Ansprache. Der Klang wird als scharf empfunden. Bei zu großer Entfernung vom Steg wird der Klang leiser, dynamisch differenziertes Spiel wird schwieriger. Bei stärkerem Bogendruck neigt besonders in der Höhe der Ton zum "Kippen". Ist der Stimmstock zu weit Richtung Mitte des Instruments platziert, leidet die Klangqualität der tiefen Saiten. Ist die Position zu weit Richtung f - Loch gewählt, verschlechtert sich die Höhe. Wichtig ist auch, dass der Stimmstock genau senkrecht im Instrument steht. 

Auch die anderen Bestandteile eines Instruments wie Saitenhalter, Feinstimmer, Anhängsaite, Endknopf und Stachel beeinflussen den Klang.

FeinstimmerDer Saitenhalter sollte möglichst leicht sein. Wenn man vier Feinstimmer verwenden will, sollte man einen Saitenhalter mit integrierten Feinstimmern verwenden. Feinstimmer beeinflussen den Klang durch ihr Gewicht. Metallfeinstimmer sind schwer und dämpfen den Ton ab.

Bei Verwendung nur eines Feinstimmers für die e- bzw. a-Saite bei der Bratsche sollte man das Modell "Schlinge" wählen. Diese Feinstimmer sind leicht und ragen vor allem nicht über den Saitenhalter hinaus. Dadurch wird der Abstand zwischen Saitenhalter und Steg nicht verkürzt und auch der Saitenwinkel der obersten Saite wird nicht verändert.

Der Abstand zwischen Saitenhalter und Steg wirkt sich ganz entscheidend auf die Ansprache eines Instruments aus. Er sollte 1/6 der schwingenden Saitenlänge betragen. Stimmt dieser Abstand nicht, kommt es zu Ansprachefehlern bis hin zu "Wolf "- Tönen.

TailcordZum Anhängen des Saitenhalters bevorzuge ich die Anhängsaiten von Bois d´Harmonie. Sie werden aus einem Hightech Composite Material hergestellt. Sie sind flexibel und behindern den Saitenhalter nicht in seiner Beweglichkeit. Das Material ist neun mal stärker als Stahl, dehnt sich nicht mehr, nachdem der Knoten einmal festgezogen ist und ist völlig unempfindlich gegenüber Luftfeuchtigkeits- und Temparaturschwankungen.

Von Bois d´Harmonie wird auch ein exzentrischer Endknopf für Violine und Viola angeboten, mit dem man die Länge der Anhängsaite "feineinstellen" kann. Man hat hier einen Spielraum von 3 mm.

 off-center endpinoff-center endpinoff-center endpin

Bestandteile, die beim Violoncello zu einer Klangverbesserung führen:

Cello SaitenhalterSaitenhalter von Bois d´Harmonie mit vier integrierten Feinstimmern aus Hightech Composite Material montiert mit der Anhängsaite von Bois d´Harmonie. Dieser Saitenhalter wird in vier Holzarten angeboten: Ebenholz, Buchsbaum, Rosewood (Palisander) und Fernambuk als Hill- oder französisches Modell (Foto). Fernambuk hat von allen Holzarten die höchste Schallleitfähigkeit. Saitenhalter aus diesem Material führen zu einem offeneren, freieren Klang und einer besseren Ansprache des Instruments.

BENDER - Klangstachel

 
Der BENDER - Klangstachel: Der Konus des Stachels aus Aluminium, hat ein Feingewinde, mit dem der Stachel die letzten 10tel Millimeter extrem fest in den Unterklotz eingesetzt werden kann. Der Stachel aus 10 mm Karbonrohr mit auswechselbarer Edelstahlspitze wird mit einer innovativen Konusverschraubung fixiert. Die Kombination aus Materialien (Karbon, Aluminium) mit bester Schallleitfähigkeit, Konusverschraubung und Stachelkonus, der durch das Feingewinde 100 %ig fest in den Unterklotz eingesetzt wird, führt zu einer perfekten Übertragung der Saitenschwingungen auf das Instrument und zu einer deutlichen Verbesserung des Klanges und der Ansprache des Instruments.

Den BENDER - Klangstachel gibt es auch für Kontrabass - allerdings mit Titan Stachel. Für Violine und Viola gibt es einen Endknopf aus Aluminium mit Feingewinde.

Berlin sound pinDer Berlin Sound Pin ist ein Klangstachel mit außergewöhnlichen Eigenschaften: Er verbessert den Klang und er dämpft Wolfstöne.

Die patentierte Konstruktion besteht aus einem Stahlrohr und einer drehbar gelagerten Spitze. Das Rohr ist mehrfach seitlich durchbohrt, ein Kontakt zur Spitze besteht lediglich an zwei Punkten. Die Spitze selbst wird von einer Vorrichtung im Inneren des Rohrs fixiert, sie bleibt aber drehbar.

Der Berlin Sound Pin kann den Ton eines Violoncellos in einem Maße verbessern, wie man es nur von – oftmals sehr aufwändigen und kostspieligen – Eingriffen am Instrument kennt. Die Wirkung an verschiedenen Instrumenten ist dabei so unterschiedlich, wie es die Instrumente selbst sind. Dabei kommt es darauf an, die optimale Einstellung für das eigene Instrument zu finden.  Je nachdem, welche der beiden Lochreihen des Stachels nach oben zeigt, ist die klangliche Wirkung anders. Schon eine 1/8 oder 1/4 Drehung des Rohres verändert den Klang.

Die Unterdrückung von Wolfstönen geschieht an der Spitze. Man dreht sie in kleinen Schritten und hört, was beim Spielen passiert. In einer bestimmten Stellung wird der Wolfton am schwächsten – das ist die zum Instrument passende Position.

Die Spitze des Stachels besteht aus gehärtetem Stahl und unterliegt dem üblichen Verschleiß. Sie lässt sich nachschleifen, ebenso aber auch auswechseln, da sie geschraubt und verklebt ist.

Der Berlin Sound Pin hat einen Durchmesser von 10 mm und lässt sich problemlos mit allen gängigen Cellobirnen mit passender Aufnahme verwenden. Ich empfehle und verwende die Bender-Birne mit Messing-Klemmkonus für einen nochmaligen klanglichen Zugewinn.

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© Copyright by Helge Marsel, 2008
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